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20.10.2026

Produktionslogistik

Produktionslogistik versorgt die Fertigung mit Material und bringt fertige Teile aus der Fertigung weiter. Sie sorgt dafür, dass an jeder Maschine und jedem Montageplatz das richtige Teil in der richtigen Menge bereitliegt, ohne dass sich Bestände in der Halle stapeln. Fehlt ein Teil, steht die Linie. Liegt zu viel da, bindet es Kapital und Fläche. Zwischen diesen beiden Fehlern bewegt sich jede Produktionslogistik.

Was ist Produktionslogistik?

Produktionslogistik umfasst die Planung, Steuerung und Durchführung aller Material- und Informationsflüsse vom Rohmaterial- oder Teilelager über die Fertigungsstufen bis zum Fertigwarenlager. Sie beantwortet drei Fragen: Was wird wann wo gebraucht, wie kommt es dorthin, und in welchem Behälter. Ihr Ziel ist eine hohe Versorgungssicherheit bei möglichst niedrigen Beständen und kurzen Durchlaufzeiten.

Abgrenzung zu anderen Logistikbereichen

BereichFokusEndet bzw. beginnt
BeschaffungslogistikMaterial vom Lieferanten ins Werkendet im Wareneingang oder Teilelager
ProduktionslogistikMaterial durch die Fertigungvom Teilelager bis zum Fertigwarenlager
DistributionslogistikFertigware zum Kundenbeginnt im Fertigwarenlager
Intralogistikalle innerbetrieblichen Flüsseumfasst Lager, Fördertechnik und Teile der Produktionslogistik

Die Grenzen sind fließend. Die Intralogistik beschreibt die Technik und Abläufe innerhalb eines Standorts, die Produktionslogistik den Ausschnitt, der direkt der Fertigung dient. Wie die Ware nach der Produktion zum Kunden kommt, behandelt die Distributionslogistik.

Materialfluss in der Produktion

Der Materialfluss folgt dem Weg des Teils: Wareneingang, Einlagerung, Bereitstellung, Bearbeitung, Zwischenpuffer, Montage, Verpackung, Fertigwarenlager. Gesteuert wird er entweder nach dem Push-Prinzip, bei dem ein Plan die Aufträge in die Fertigung drückt, oder nach dem Pull-Prinzip, bei dem der Verbrauch an der nachfolgenden Stufe den Nachschub auslöst. Ein gutes Materialflusslayout vermeidet Rückwege, Kreuzungen zwischen Staplern und Fußgängern und unnötige Zwischenlager.

Versorgung der Linie

Bei der Linienversorgung, oft Line-Feeding genannt, wird Material an den Verbauort gebracht. Gängige Varianten sind die Bereitstellung im Originalbehälter des Lieferanten, das Umpacken in kleinere Behälter, das Warenkorb- oder Kitting-Prinzip, bei dem alle Teile für ein Produkt in einem Set kommen, und die Sequenzbereitstellung. Gute Linienversorgung heißt: ergonomische Griffhöhe, kurze Wege für den Werker und eine feste Regel für Leergut.

Just-in-time und Just-in-sequence

Just-in-time (JIT)

Just-in-time bedeutet, nur das herzustellen oder anzuliefern, was gebraucht wird, wann es gebraucht wird und in der benötigten Menge. So beschreibt Toyota das Prinzip als eine der beiden Säulen des Toyota-Produktionssystems. Laut Toyota besteht ein Auto aus mehr als 30.000 Teilen; ohne abgestimmte Anlieferung wären die Bestände kaum zu beherrschen.

Just-in-sequence (JIS)

Just-in-sequence geht einen Schritt weiter: Die Teile kommen nicht nur pünktlich, sondern in der Reihenfolge, in der die Fahrzeuge oder Produkte am Band laufen, etwa Sitze, Cockpits oder Stoßfänger in der Automobilindustrie. Das spart Fläche und Sortierarbeit am Band, macht die Kette aber empfindlich für jede Störung bei Lieferant oder Transport.

Kanban

Kanban ist ein Pull-System mit Karten oder elektronischen Signalen. Ist ein Behälter am Verbrauchsort leer, löst seine Karte den Nachschub aus, aus dem Lager oder direkt beim Lieferanten. Die Zahl der Karten im Umlauf begrenzt den Bestand. Kanban eignet sich für Teile mit gleichmäßigem Verbrauch. Für seltene oder sehr variantenreiche Teile passt eine auftragsbezogene Bereitstellung besser.

Milkrun

Ein Milkrun ist eine feste Route mit festem Fahrplan, auf der ein Fahrzeug mehrere Stationen anfährt, volle Behälter bringt und Leergut mitnimmt. Innerbetrieblich fahren dafür meist Routenzüge, außerbetrieblich Lkw, die mehrere Lieferanten in der Region abholen. Der Vorteil sind planbare Takte, gebündelte Fahrten und weniger Staplerverkehr in der Halle.

Supermarkt-Konzept

Ein Supermarkt ist ein dezentrales Pufferlager nahe der Linie, aus dem die Versorgungsrouten sich bedienen. Jedes Teil hat einen festen Platz mit Mindest- und Höchstbestand, gut sichtbar und im Durchlaufregal nach dem First-in-first-out-Prinzip. Im Supermarkt werden häufig auch Sets für das Kitting zusammengestellt, die anschließend per Milkrun an die Linie gehen.

Ladungsträger

Der Ladungsträger verbindet Lager, Transport und Arbeitsplatz. Üblich sind Kleinladungsträger, Großladungsträger, Gitterboxen und Paletten; einen Überblick gibt der Beitrag zu Ladehilfsmitteln. In der Automobilindustrie ist das KLT-System nach der VDA-Empfehlung 4500 verbreitet, aktuell in Version 3.1 von Dezember 2025. Es ist modular auf die Grundflächen 1200 x 800 mm (Euro) und 1200 x 1000 mm (ISO) abgestimmt. Wer Behälter im Kreislauf mit Lieferanten tauscht, braucht ein sauberes Behältermanagement, sonst fehlt das Leergut genau dort, wo es gebraucht wird.

FTS und Automatisierung

Fahrerlose Transportsysteme übernehmen wiederkehrende Fahrten zwischen Lager, Supermarkt und Linie, ziehen Routenzüge oder unterfahren Wagen. Autonome mobile Roboter planen ihre Route selbst und weichen Hindernissen aus. Die Sicherheitsanforderungen an fahrerlose Flurförderzeuge regelt die Norm ISO 3691-4, aktuell in der Ausgabe von 2023. Wann sich der Einsatz lohnt, beschreibt der Beitrag zu fahrerlosen Transportsystemen. Voraussetzung ist ein stabiler Prozess: Wer einen chaotischen Ablauf automatisiert, hat danach einen schnelleren chaotischen Ablauf.

IT: ERP, MES und WMS

Drei Systeme greifen ineinander. Das ERP plant Aufträge, Materialbedarf und Bestellungen. Das MES steuert und dokumentiert die Fertigung in Echtzeit; Aufgaben und Funktionen beschreibt die Richtlinie VDI 5600 Blatt 1 (2016). Das WMS verwaltet Lagerplätze, Bestände und Transportaufträge im Lager und im Supermarkt. Wichtig sind saubere Schnittstellen, damit ein Abruf aus der Linie ohne Medienbruch zum Nachschubauftrag wird. Mehr zu Auswahl und Funktionen im Beitrag Logistiksoftware.

Kennzahlen

  • Versorgungsgrad und Fehlteile: Wie oft war ein Teil nicht rechtzeitig an der Linie, wie viele Bandstillstände gingen auf die Logistik zurück?
  • Bestandsreichweite: Für wie viele Stunden oder Tage reicht der Bestand an Linie, im Supermarkt und im Lager?
  • Durchlaufzeit: Wie lange braucht ein Auftrag vom Materialabruf bis zum Fertigwarenlager?
  • Termintreue: Halten Lieferanten und interne Routen ihre Zeitfenster?
  • Flächen- und Behälternutzung: Wie viel Fläche belegen Puffer, wie viele Behälter sind im Umlauf?

Tipps für die Praxis

  • Mit dem Wertstrom beginnen: Erst den Ist-Materialfluss aufnehmen, dann Puffer und Wege verbessern.
  • Teile nach Verbrauch einteilen: Gleichmäßige Teile per Kanban, variantenreiche per Sequenz oder Kitting.
  • Behälter standardisieren: Wenige Größen erleichtern Regale, Routenzüge und Automatisierung.
  • Takte festlegen: Feste Milkrun-Fahrpläne statt Zurufen per Funk.
  • Daten schließen: Abrufe, Bestände und Transportaufträge in einem durchgängigen System erfassen.

Häufige Fragen

Ist Produktionslogistik dasselbe wie Intralogistik?

Nein. Die Intralogistik umfasst alle innerbetrieblichen Flüsse eines Standorts, auch im reinen Lager. Die Produktionslogistik ist der Teil, der die Fertigung versorgt und entsorgt.

Wann lohnt sich Just-in-sequence?

Bei großen, variantenreichen Teilen in Serienfertigung mit festem Produktionsplan, wenn Lieferant und Transport zuverlässig sind. Für kleine Standardteile ist Kanban meist einfacher.

Brauche ich für Kanban eine Software?

Nicht zwingend. Viele Betriebe starten mit Karten. Elektronisches Kanban lohnt sich, wenn viele Teile, Lieferanten oder Standorte beteiligt sind.

Hinweis: Normen und Richtlinien werden regelmäßig überarbeitet. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Ausgaben von ISO, VDI und VDA. Stand der Recherche: Oktober 2026

Weiterführende Beiträge

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