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E-Rechnung in der Transportbranche – Pflicht, Potenzial und Praxisbedarf

Finanzierung, Transport 23.04.2025

E-Rechnung: Pflicht und Chance für Transport & Logistik

Die digitale Rechnungsstellung wird zur gesetzlichen Pflicht – und damit zum Thema für die gesamte Transport- und Logistikbranche. Mit dem Inkrafttreten des Wachstumschancengesetzes verpflichtet der Gesetzgeber Unternehmen seit Januar 2025 schrittweise zur Nutzung strukturierter elektronischer Rechnungen im B2B-Bereich. Für viele Betriebe bedeutet das: Prozesse neu denken, Software umstellen und den Verwaltungsaufwand überarbeiten.

 

Was ist eine E-Rechnung?

Die Bezeichnung „E-Rechnung“ führt häufig in die Irre. Gemeint ist keine PDF Rechnung, die per E-Mail versendet wird, sondern ein strukturierter Datensatz, der maschinell verarbeitet werden kann. In Deutschland gelten Formate wie XRechnung und ZUGFeRD als rechtskonform, da sie dem europäischen Standard EN 16931 entsprechen. Ein PDF-Anhang oder gescanntes Dokument erfüllt diese Anforderungen ausdrücklich nicht.

 

 

Gesetzliche Grundlage und Fristen

Mit dem Wachstumschancengesetz hat der Gesetzgeber die E-Rechnung im B2B-Bereich verbindlich eingeführt. Seit dem 1. Januar 2025 sind Unternehmen verpflichtet, elektronische Rechnungen entgegenzunehmen. Die Pflicht zur ausschließlichen Ausstellung solcher Rechnungen greift ab dem 1. Januar 2027. Ziel ist es, Steuerbetrug zu bekämpfen, Prozesse zu automatisieren und die digitale Infrastruktur im Unternehmensumfeld zu stärken.

 

Branchenrealität: Heterogene Strukturen und operative Hürden

Die Transportbranche zeichnet sich durch hohe Taktung, fragmentierte Marktstrukturen und einen ausgeprägten Mittelstand aus. Viele Betriebe arbeiten mit einfach gehaltenen Verwaltungsabläufen, nutzen Vorlagenlösungen oder vergeben die Buchhaltung extern. Eine standardisierte Rechnungsverarbeitung ist oft nicht etabliert.

Typische Herausforderungen im Zuge der Umstellung sind:

  • fehlende Kompatibilität bestehender Systeme mit E-Rechnungsformaten
  • manuelle Rechnungsstellung ohne automatisierte Schnittstellen
  • mangelnde personelle Ressourcen für IT-nahe Umstellungen
  • unterschiedliche Anforderungen auf Auftraggeber- und Subunternehmerseite

Diese Ausgangslage macht eine strategisch geplante Umstellung erforderlich – auch für kleinere Betriebe.

 

Mehrwert durch Digitalisierung

Die Einführung strukturierter E-Rechnungen geht weit über eine bloße Pflichterfüllung hinaus. Bei konsequenter Umsetzung verbessert sich die kaufmännische Abwicklung spürbar. Prozesse verlaufen standardisiert und bleiben jederzeit nachvollziehbar, was die Abläufe stabilisiert und die Qualität erhöht. Gleichzeitig sinkt die Fehlerquote bei der Rechnungsstellung, wodurch Nachbearbeitungen und Rückfragen deutlich reduziert werden.

Auch die Durchlaufzeiten verkürzen sich erheblich, was zu schnelleren Zahlungseingängen führt und die Liquiditätsplanung erleichtert. Darüber hinaus entsteht eine transparente Übersicht über offene Forderungen sowie eingegangene Zahlungen, wodurch das Forderungsmanagement gezielter gesteuert werden kann.

Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich durch die höhere digitale Anschlussfähigkeit gegenüber Auftraggebern und Plattformen. In einer zunehmend datengetriebenen Lieferkette stärkt dieser Aspekt die Wettbewerbsfähigkeit und erleichtert die Integration in moderne Beschaffungs- und Abrechnungssysteme.

 

 

XRechnung oder ZUGFeRD – welches Format ist das richtige?

Unternehmen können zwischen zwei Hauptformaten wählen: XRechnung, das vor allem für den öffentlichen Sektor entwickelt wurde, und ZUGFeRD, das eine XML-Datei mit einem für Menschen lesbaren PDF kombiniert. Letzteres wird in der Praxis häufig bevorzugt, da es technische Standards erfüllt und gleichzeitig visuelle Kontrolle ermöglicht.

Wichtig ist: Beide Geschäftspartner – also Aussteller und Empfänger – müssen das gewählte Format technisch verarbeiten können. Eine einseitige Umstellung ohne Abstimmung führt schnell zu Medienbrüchen und Verzögerungen.

 

 

Handlungsempfehlungen für Transportunternehmen

Der Zeitrahmen bis zur Einführung ist knapp bemessen. Unternehmen sollten daher zügig aktiv werden:

  • Prüfung der vorhandenen Buchhaltungs- und Fakturierungssoftware
  • Klärung, ob E-Rechnungsformate wie XRechnung oder ZUGFeRD unterstützt werden
  • Abstimmung mit Kunden und Auftraggebern über akzeptierte Formate
  • Anpassung interner Abläufe und Dokumentation
  • Schulung der zuständigen Mitarbeiter

Für kleinere Betriebe, die keine eigene Software einsetzen, gibt es webbasierte Softwarelösungen und spezialisierte Dienstleister, die rechtssichere Rechnungen in standardisierten Formaten erzeugen.

 

 

Auswirkungen auf die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette

Die verpflichtende Einführung der E-Rechnung betrifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern wirkt sich auf gesamte Liefer- und Abrechnungsprozesse innerhalb der Branche aus. Transportbetriebe agieren selten isoliert: Speditionen, Subunternehmer, Verlader, Lagerhalter und Empfänger bilden gemeinsam komplexe Netzwerke. In dieser Struktur ist eine fehleranfällige Rechnungsabwicklung nicht nur ein internes Problem, sondern beeinflusst auch die Beziehungen zu Geschäftspartnern.

Ein standardisiertes Rechnungsformat erleichtert die Abstimmung zwischen den Beteiligten, reduziert Rückfragen und verkürzt die Reaktionszeiten im Zahlungsprozess. Besonders in arbeitsteiligen Transportketten wird es künftig entscheidend sein, dass alle Glieder der Kette über kompatible Systeme verfügen oder externe Anbieter einbinden. Die Fähigkeit, E-Rechnungen korrekt zu verarbeiten, kann somit auch zum Wettbewerbsfaktor werden – insbesondere bei öffentlichen Ausschreibungen oder bei der Zusammenarbeit mit international agierenden Auftraggebern.

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