Die unsichtbare Krise im ÖPNV: Warum wir dringend mehr Busfahrer brauchen!

In Deutschland sind Busfahrer stark unterrepräsentiert, was gravierende Folgen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hat. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) meldet einen aktuellen Mangel von rund 20.000 Fahrern, der bis 2030 auf bis zu 65.000 ansteigen könnte. Hauptursachen sind die hohe Anzahl älterer Fahrer, die in Rente gehen, sowie unattraktive Arbeitsbedingungen wie niedrige Gehälter und unregelmäßige Schichten. Viele erfahrene Mitarbeiter verlassen den Beruf vorzeitig, während junge Fahrer rar sind. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind dringend bessere Arbeitsbedingungen erforderlich. Die Ausbildungskosten für angehende Busfahrer liegen zwischen 10.000 und 12.000 Euro, was viele potenzielle Bewerber abschreckt. Zudem erschweren bürokratische Hürden und die mangelnde Anerkennung ausländischer Qualifikationen die Anwerbung internationaler Arbeitskräfte.
Ein herausfordernder Beruf
Der Mangel an Busfahrern hat weitreichende Konsequenzen. In den kommenden Jahren wird diese Zahl aufgrund steigender Renteneintritte weiter ansteigen. Die Folgen sind für die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) deutlich spürbar. Aktuelle Berichte zeigen, dass es in den frühen Morgenstunden oft an Fahrern mangelt, was zu Verspätungen und Ausfällen führt. Der Beruf des Busfahrers ist herausfordernd, geprägt von unregelmäßigen Arbeitszeiten, Schichten am Wochenende, relativ niedrigen Gehältern sowie psychischem Druck durch straffe Fahrpläne und wachsende Konflikte mit Fahrgästen. Diese Faktoren führen dazu, dass viele erfahrene Mitarbeiter den Job vorzeitig aufgeben. Gleichzeitig sind junge Fahrer rar gesät. Der BDO berichtet bereits jetzt von einem Mangel von rund 20.000 Busfahrern im ÖPNV in Deutschland, was dazu führt, dass etwa 65 Prozent der Unternehmen Fahrten absagen müssen. Prognosen des BDO zeigen, dass sich diese Zahl bis 2030 auf bis zu 65.000 erhöhen könnte, falls keine Maßnahmen ergriffen werden.
Geburtenstarke Jahrgänge gehen in Rente
Aktuellen Zahlen des BDO zufolge sind rund 57 Prozent der Bus- und Straßenbahnfahrer älter als 55 Jahre; jährlich gehen zwischen 4.000 und 6.000 von ihnen in den Ruhestand. Diese hohe Anzahl älterer Fahrer resultiert daraus, dass viele ÖPNV-Unternehmen in den 1990er-Jahren aus Kostengründen keine neuen Mitarbeiter eingestellt haben. Um jüngere Fahrer zu gewinnen, sind dringend bessere Arbeitsbedingungen erforderlich. Viele Busfahrer wünschen sich beispielsweise mehr Erholungstage und eine höhere Wertschätzung ihrer Arbeit. An manchen Tagen müssen sie Verspätungen mit ihren Pausen ausgleichen, was oft zu einem Mangel an Zeit für grundlegende Bedürfnisse führt. Der Frust über diese Situation wird auch während Streiks spürbar, da viele Fahrgäste nicht verstehen, dass diese Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und damit zur Sicherheit der Beförderung dienen.
Hohe Ausbildungskosten, zu geringe Vergütung
Die Vergütung für Busfahrer könnte ebenfalls verbessert werden. Im Durchschnitt verdienen Busfahrer in Deutschland etwa 3.200 Euro brutto pro Monat. Viele arbeiten Überstunden, um ausreichend Geld zu verdienen, und erreichen dabei teilweise über 220 Stunden im Monat. Der BDO weist darauf hin, dass die Gehälter zuletzt gestiegen sind und dass es sich die Unternehmen aufgrund des Fahrermangels nicht leisten können, unattraktive Löhne oder Arbeitsbedingungen anzubieten. Dennoch wird von Gewerkschaftsvertretern betont, dass dies nicht ausreicht. Auch beim Zugang zum Beruf des Busfahrers sind andere Rahmenbedingungen nötig. Die Kosten für die Ausbildung und somit die Einstiegshürden in diesen Beruf sind nach wie vor viel zu hoch. Die Ausgaben für den Busführerschein und die erforderliche Berufskraftfahrerqualifikation liegen zwischen 10.000 und 12.000 Euro. Ohne Unterstützung durch die Arbeitsagentur oder das Unternehmen selbst ist dies kaum zu bewältigen. In anderen EU-Ländern sind die Kosten allgemein deutlich geringer, da weniger Pflichtstunden abzuleisten sind.
Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte zu kompliziert
Zusätzlich bemängelt der BDO, dass die deutschen Ausbildungsstandards weit über den Anforderungen des EU-Rechts liegen. Diese bürokratischen nationalen Vorgaben sowie die hohe Anzahl an Pflichtstunden führen dazu, dass die deutsche Ausbildung zum Busfahrer im europäischen Vergleich extrem teuer ist und durch die bürokratische Gestaltung an Attraktivität verliert. Ein weiteres Hindernis sind die Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Führerscheine. Obwohl der europäische Arbeitsmarkt mittlerweile nahezu ausgeschöpft ist, gibt es in Drittstaaten noch erhebliches Potenzial. Die Anwerbung dieser dringend benötigten Fahrerinnen und Fahrer wird jedoch durch die mangelnde Anerkennung ihrer Qualifikationen erschwert. In Deutschland kann im Gegensatz zu anderen Ländern die Berufskraftfahrerqualifikation nur in deutscher Sprache erworben werden.
Nutzer des ÖPNV spüren den Fachkräftemangel immer stärker
Der BDO hat bereits darauf hingewiesen, dass die Politik auf das Problem des Fahrermangels aufmerksam gemacht wurde. Die alte Bundesregierung habe reagiert und wirksame Maßnahmen wie die Reduzierung der Pflichtstunden sowie die Möglichkeit fremdsprachiger Prüfungen für die Berufskraftfahrerqualifikation initiiert. Allerdings sind diese Gesetzgebungsprozesse aufgrund politischer Veränderungen ins Stocken geraten und müssen nun von der neuen Bundesregierung zügig vorangetrieben werden. Der Renteneintritt der Busfahrer und der daraus resultierende Mangel stellen zudem ein Problem für die Verkehrswende dar.
vgl. Katharina Bruns, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/oepnv-busfahrer-nachwuchsmangel-100.html, , „Die Busfahrer fehlen – und das hat Folgen“, Stand: 11.05.2025

176 Aufrufe insgesamt, 0 Heute



