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Sichere Lkw-Kabinen bleiben verboten

Nachrichten | 11.06.2014 | | Politik und Recht | Thema: , ,

scania staxAlte Lkw-Kabinen stellen für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer ein Sicherheitsrisiko dar. Angesichts hunderter Unfalltoter fordern Experten eine Modernisierung der Fahrerhäuser. Doch die EU-Verkehrsminister haben die entsprechende Reform beim Treffen in Luxemburg am 5.Juni 2014 um acht Jahre verschoben. Bis 2022 bleiben die konzipierten Prototypen einiger Hersteller verboten. Erst dann sollen die neuen Kabinen auf europäischen Straßen zugelassen werden. Lkw-Experte des Deutschen Verkehrssicherheitsrates Jürgen Bente bestätigte dem Spiegel, dass heutige Lkw-Kabinen für sämtliche Verkehrsteilnehmer ein Sicherheitsrisiko darstellen. Die laut EU-Vorschrift auf 2,35 Metern Länge begrenzten, momentan erlaubten Fahrerhäuser bieten ein beschränktes Sichtfeld, wenig Platz, geringe Knautschzone und eine mangelhafte Aerodynamik.

EU-Verkehrsminister verzögern Modernisierung

Trotz der Dringlichkeit blockieren die Verkehrsminister der EU-Mitgliedstaaten die Einführung der Kabinen-Nachfolger, die dank abgerundeter Front aerodynamischer, sparsamer und geräumiger wären. Besonders positiv würden sich sicherheitstechnische Aspekte auswirken. Aufgrund größerer Fensterflächen und moderner Bauweise würde sich das Sichtfeld drastisch erhöhen und die Knautschzone um bis zu anderthalb Meter vergrößern. Angaben des EU-Verkehrskommissars Siim Kallas zufolge wären 300 bis 500 Verkehrstote vermeidbar.

Im April stimmten alle großen Fraktionen im Europaparlament für eine schnellstmögliche Freigabe neuer Kabinen. Ab 2022 war eine Pflicht für Neufahrzeuge geplant. Obwohl Deutschland und weitere Staaten eine zügige Einführung befürworteten, setzten sich nationale Regierungen wie Frankreich und Schweden, die gegen die Reform sind, im Ministerrat durch. Dass die Länder Heimat von Renault, Peugeot, Scania und Volvo sind, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Willliam Todts, Umweltorganisation Transport and Environment Brüssel äußerte: „Hier werden die Interessen einiger weniger Produzenten über die aller anderen Beteiligten gestellt”.

Scania und Renault Trucks haben erst kürzlich neue Lkws mit alten Kabinen gebaut. Volvo Trucks äußerte, dass die Umsetzung der komplexen Anforderungen Zeit brauche. Catharina Elmsäter-Svärd, Schwedens Infrastrukturministerin, begründete ihren Standpunkt gegen die Reform mit der vagen Formulierung der technischen Details im neuen Regelpaket. Doch der deutsche Lkw-Hersteller MAN könnte deutlich früher in Serienproduktion gehen und seine Kabinen-Prototypen mit modernem Frontdesign zur Verfügung stellen. Ein Rats-Insider äußerte, dass reine Industriepolitik hinter der Entscheidung stecke und Schweden sowie Franzosen ihre Produzenten vor dem Wettbewerb schützen wollen.

EU-Politiker sind unzufrieden mit der Verzögerung. CSU Verkehrsexperte im Europaparlament Markus Ferber kritisierte: „Die Minister haben eine sehr industriefreundliche Entscheidung getroffen. Statt auf Sicherheit und Umwelt zu achten, haben sie den Zeitplan an die Produktionszyklen von Renault, Peugeot und Volvo angepasst.“ Ismail Ergut (SPD) bezeichnet die Verzögerung als verantwortungslos und ergänzte: „Ein größeres Sichtfeld verkleinert den toten Winkel des Fahrers und senkt das Unfallrisiko bei Abbiegevorgängen erheblich.“

Verkehrskommissar Kallas hofft auf die Hilfe des Europaparlaments: Würde es zu einer stabilen Mehrheit der Abgeordneten kommen, könnten sich die Unterhändler des Parlaments gegen den Ministerbeschluss stellen. Da die Europawahl eine Reduzierung der Fraktionen hervorbrachte, ist die Mehrheit fraglich. Eine endgültige Entscheidung seitens des Parlaments ist erst in mehreren Monaten zu erwarten.

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Newsquelle: transportenvironment.org, Spiegel.de Bildquelle: Scania

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