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Paket-Flut in Deutschland – Hat die Branche geschlafen?

Nachrichten | 08.12.2017 | | Wirtschaft | Thema: , , , , ,

Über drei Milliarden Pakete wurden in der Bunderepublik 2016 zugestellt. In diesem Jahr soll die Zahl sogar noch höher ausfallen. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) legte erst kürzlich die Zahlen für die ersten sechs Monate 2017 vor, die demnach für die Kurier-, Express- und Paket-Branche überaus erfolgreich ausgefallen sind. Um 6,4 Prozent legte das Sendungsvolumen im ersten Halbjahr zu. Für das aktuelle Weihnachtsgeschäft werden an Spitzentagen mehr als 15 Millionen Sendungen prognostiziert. Überforderung bei KEP-Dienstleistern scheint vorprogrammiert.

Das starke Wachstum beim Sendungsvolumen im ersten Halbjahr 2017 ist größtenteils dem Anstieg der Paketsendungen in Höhe von 6,6 Prozent zu verdanken. Nicht weniger bedeutend das Wachstum bei Express- und Kuriersendungen um 5,2 Prozent. Mehr als 500.000 Sendungen werden jeden Tag transportiert. Nach Meinung des Vorsitzenden des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik Florian Gerster spiegelt das wiederum die positive Entwicklung bei den KEP-Unternehmen wieder. Sie liefern hohe Dienstleistungsqualität und die Leistungs- und Aufnahmefähigkeit der Infrastrukturnetze sei „enorm“.

Extreme Weihnachtszeit

Neun bis elf Prozent könnten die Zuwächse im Weihnachtsgeschäft nach Ansicht des BIEK aufweisen. Währenddessen sollen sich die Zustellungen an Endkunden um bis zu 30 Millionen Auslieferungen ausweiten, was verglichen mit dem Vorjahr mit einem Wachstum der B2C-Sendungen von knapp 290 Millionen einhergeht. Deutlich über 15 Millionen Zustellungen könnten es an besonders starken Tagen werden.

Hohe Investitionen erforderlich

Zum Großteil ist der massive Zuwachs auf die starke Entwicklung des Internethandels zurückzuführen und ein Ende ist nicht in Sicht. Schließlich profitieren Verbraucher bei der Onlinebestellung von maximalem Komfort. Um mithalten zu können, investieren KEP-Dienstleister Milliarden. Im Juli des vergangenen Jahres kündigte Hermes den Bau neuer Logistikzentren an. Ziel: Leistungssteigerung bei der Infrastruktur. Über 300 Millionen Euro will das Unternehmen bis 2019 bundesweit für neue Standorte und die Erweiterung von Bestandslogistikzentren aufwenden, um pro Jahr eine Kapazität von mehr als 400 Millionen Sendungen zu gewährleisten. Läuft alles nach Plan, verfügt Hermes anschließend über 20 Depots und 15 Logistikzentren. Bei DHL verhält es sich genauso. Derzeit läuft der Bau eines Paketzentrums in Bochum, welches 50.000 Pakete je Stunde verarbeiten wird. Ein neues Zentrum in Obertshausen liefert ähnliche Ergebnisse. Bis zu einer Million Sendungen pro Stunde kann DHL momentan mit seinen 34 Paketzentren stemmen.

Versäumte Gelegenheiten und Kapazitätsgrenzen

Auch andere Dienstleister tätigen Investitionen und dennoch scheinen die Reaktionen nicht auszureichen. Es kommt der Verdacht auf, dass die Investitionen der Dienstleister zu spät erfolgen. Ein Blick auf die Statistik des BIEK über die Entwicklung zwischen 2000 und 2016 zeigt deutlich, dass sich die Zahl der Sendungen, bis auf eine Ausnahme 2009, kontinuierlich erhöht hat. Angesichts der Fakten hätte die Branche schon früher auf den zunehmenden Ansturm reagieren müssen, um den nun bevorstehenden Paket-Kollaps zu bewältigen.

Neben den finanziellen Grenzen stoßen die Unternehmen jetzt an die Kapazitätsgrenzen, weil es an Fachkräften mangelt. Aufgrund des angekündigten Chaos vor Weihnachten, suchen die Dienstleister händeringend nach Aushilfen. Es fehlt an Zustellern, um die Masse an Paketen zur Kundschaft zu transportieren. Doch ausführen, möchte den Job kaum jemand. Zu schlecht die Bezahlung für die teilweise körperliche Belastung durch schwere Lasten und Stress. Immer wieder kommt es zu Streiks oder gar Klagen durch Arbeitnehmer. Sie fordern mehr Lohn. Beim Betrachten der Umsatzzahlen bei DHL in Höhe von 14,6 Milliarden Euro und dem operativen Gewinn von 834 Millionen Euro allein im dritten Quartal 2017 wirkt die Forderung berechtigt. Ein Rekordergebnis wurde erzielt. 4,3 Milliarden Euro und somit ein Plus von 6,9 Prozent erwirtschaftete allein der Sektor Post – eCommerce – Parcel (PeP).

Pressemitteilung/ Bild: pixabay

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