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Lang-Lkw – Streckenauswahl von Spediteuren kritisiert

Nachrichten | 18.11.2015 | | Verkehr | Thema: ,

Lang-LKWLang-Lkw dürfen auf bestimmten deutschen Strecken seit drei Monaten fahren. Der Großteil der Fahrzeuge ist für Daimler auf den Straßen. Das Verkehrsministerium wird nun von zahlreichen Spediteuren aus Baden-Württemberg kritisiert, weil sie nicht berücksichtig wurden.

Insgesamt sollen laut Bundesanstalt für Straßenwesen derzeit 13 Lang-Lkw für sechs Speditionen unterwegs sein. Die meisten steuern Daimler-Werke an wie in Sindelfingen oder Rastatt. Über den bisherigen Testverlauf ist man dort zufrieden. Ein Daimler-Sprecher sagte: „Die Lkw fahren unauffällig mit – es gab bisher keinerlei Probleme.“ Es bestehe eine gute Fahrzeug-Auslastung, was hinsichtlich Abgasen und Verbrauch zu erwünschten Einsparungen führt. Daimler-Lkw-Chef Wolfgang Bernhard hatte zum Versuchsstart mitgeteilt, dass von einer CO2-Reduzierung von rund 1.000 Tonne jährlich auf den fünf Relationen auszugehen ist.

Der Speditionsverband VSL begrüßt den Feldversuch zwar, Geschäftsführer Andrea Marongiu kritisiert aber, dass die Strecken auf den Daimler-Konzern zugeschnitten seien. Die Ablehnung seitens des Verkehrsministeriums von alternativen Strecken, welche sogar Kombi-Terminals der Bahn angesteuert hätten, stößt sauer auf. „Bei einigen, die auch Interesse angemeldet hatten, ist die Enttäuschung natürlich groß, nicht dabei sein zu können“, so Marongiu. Verkehrsminister Winfried Hermann ist Gegner der Lang-Lkws und befürchtet durch sie eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf Straßen.

Benachteiligung regionaler Betriebe

Einer derjenigen ohne Genehmigung ist Roland Rüdinger, der mit seinem Unternehmen mit Sitz in Krautheim nahe der A81 mit drei herkömmlichen Lkws täglich Güter einsammelt und nach Fulda befördert. Er wollte seine Fahrzeuge durch zwei Lang-Lkws ersetzen. Die Fahrten wären auf der A81 zwar möglich, da die Teilstrecke zwischen Autobahn und seiner Spedition keine Genehmigung vom Verkehrsministerium erhalten hatte, kann er nicht auf Lang-Lkws umsteigen. Für Rüdinger untragbar, schließlich fehle eine Schienenalternative vor Ort. „Wegen unseres grünen Verkehrsministers muss ich jede Nacht 150 Liter Diesel sinnlos verbrennen“, so Rüdinger.

Die Streckenauswahl gestaltete sich bewusst einschränkend, da diese zur Kooperation mit Daimler im Rahmen der Lang-Lkw dazugehörte und voraussetzte, dass verschiedene Produktionsstandorte auf den Routen liegen. „Dazu kamen noch wenige Strecken anderer Unternehmen – das Ziel der Kooperation bestand in neuen Erkenntnissen, nicht aber im möglichst breiten Einsatz von Lang-Lkw“, sagte ein Verkehrsministeriums-Specher. Von den 17 Daimler-Anträgen wurden ebenfalls lediglich fünf angenommen.

Rüdinger fürchtet eine markante Einschränkung der Wettbewerbsfähigkeit von regionalen Unternehmen, da wie er auch andere Betriebe betroffen seien. „Wenn ich diese Technik nicht beherrsche, brauche ich mich für solche Aufträge auch nicht zu bewerben“, erklärt er. Andere Bundesländer, die den Feldversuch stärker förderten, seien im Vorteil.

Zwischenlösung

Wie ein Kollege der Spedition Schwarz bei Heidenheim, welcher herkömmliche Lastwagen jahrelang auf einen bayerischen Rastplatz auf der A7 gefahren und seine Fracht dort auf Lang-Lkw umgeladen hatte, will nun auch Rüdinger vorgehen. Der lautstarke Protest seitens der Spedition hatte Wirkung gezeigt. Denn die beantragten Strecken wurden in den Feldversuch aufgenommen. Geschäftsführer Thomas Schwarz: „Durch das größere Ladevolumen wird weniger CO2 produziert, denn es können weniger Fahrzeuge eingesetzt werden.“

Gutachten und Ende des Feldversuchs

Vorerst soll sich am Streckenplan nichts ändern, so das Verkehrsministerium. Das Land will mit Daimler eine wissenschaftliche Untersuchung über die Auswirkungen des CO2-Ausstoßes und mögliche Verlagerung von der Schiene auf die Straße beauftragen. Dieses Gutachten soll zunächst abgewartet werden. Die Ausgestaltung des Gutachtens wurde zwischen Daimler, der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz sowie dem Verkehrsministerium abgestimmt. Die Veröffentlichung wird in den kommenden Wochen erwartet.

Bis Ende 2016 wird der Feldversuch noch laufen. Studienergebnisse aus Baden-Württemberg sind erst im Anschluss zu erwarten. Rüdinger: „Ich hoffe, dass sich nach der nächsten Landtagswahl im März 2016 die Vernunft durchsetzt.“

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Quelle: Stuttgarter-Nachrichten.de Bild: bast.de

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