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Viertes DVZ-Forum in Düsseldorf: Digitale Revolution im Ladungsverkehr

Nachrichten | 18.11.2016 | | Unternehmen, Verkehr | Thema: , , ,

Einer der größten Teilmärkte der Logistikbranche ist der Ladungsverkehr in Europa. Der Wettbewerbsdruck steigt und zwingt Unternehmen zu entsprechenden Reaktionen. Während des vierten DVZ-Forums am 10. November 2016 in Düsseldorf wurde darüber diskutiert, ob die Digitalisierung als Erfolgsrezept dienen kann, welche Herausforderungen Verlader gegenübertreten müssen und wie digitale Speditionen künftig aussehen könnten. Die Vorträge beim DVZ-Forum „Zukunft des Ladungsverkehrs“ wurden von mehr als 100 Teilnehmern besucht.

Plattformen zur Vernetzung und Effizienzsteigerung

Die Digitalisierung verlangt Transporteuren einiges ab und wird auch in Zukunft mit markanten Herausforderungen verbunden sein. Das wurde beim DVZ-Forum in Düsseldorf deutlich. Unter anderem äußerte sich Schenker AG Vorstand Ladungsverkehr Ewald Kaiser: „Der Spediteur mit 10 bis 20 Fahrzeugen mit eigenem Direktkundengeschäft ist ein Auslaufmodell.“ Er rief zum schnellen Handeln auf, um der digitalen Revolution gerecht zu werden. Neue Wettbewerber seien bereits auf dem Vormarsch. Kaiser nannte hier Onlineriese Amazon und den Mobilitätsdienstleister Uber, die künftig auch den Ladungsverkehr für sich entdecken könnten. „Jeder von uns muss sich fragen, ob er allein stark genug ist oder ob er Partner braucht“, so Kaiser. Mit der neuen Internetplattform „Drive4Schenker“ will das Unternehmen die Effizienz im Transportgeschäft erhöhen und die Interaktion mit Geschäftspartnern elektronisch abwickeln, um der digitalen Revolution Rechnung zu tragen. Frachtführer erhalten über das Portal Zugang zu Ladungsangeboten in ganz Europa. Von den 28.000 mit Schenker kooperierenden Frachtführern haben sich inzwischen 12.000 registriert. Unter anderem sollen mit Drive4Schenker Leerfahrten minimiert werden, indem Frachtführer Rückladungen einfacher finden sollen. Eine vollständige Digitalisierung der Prozesse ist laut Kaiser jedoch unwahrscheinlich. Die Kompetenz der Disponenten sei „ein Asset“, weshalb er ihnen eine große Bedeutung zuschreibt.

President bei C.H. Robinson Europe, dem US-Marktführer im Sektor Komplettladung Jeroen Eijsink sieht in der zunehmenden Transparenz eine Chance. „Wir müssen nicht wie früher mit Intransparenz Geld verdienen, sondern können die Transparenz nutzen.“ Das Unternehmen, das sich auch in Europa mit Ladungsverkehren beschäftigt, arbeitet mit einer internationalen Plattform für Transaktionen und Frachtarten, die wie „eine Art interner Marktplatz“ genutzt wird. Der Zusammenschluss aus 41 mittelständischen Speditionen für Linienverkehre, der als Part Load Alliance bekannt ist, zeigt ebenfalls, wie Frachtführer digitale Lösungen entwickeln können. Geschäftsführer Heinz Hintzen: „Der realen Spedition fehlen Kooperation und ein Laderaumpool sowie Digitalisierung.“ Ein Portal stellt das Clearing zwischen beteiligten Unternehmen aus der Part Load Alliance sicher und ermittelt ideale Verbindungen für entsprechende Teilladungen, um die Schwächen herkömmlicher Speditionen auszumerzen.
Digitale Revolution imLadungsverkehr
Auch MAN setzt auf eine Plattform und reagiert auf die digitale Revolution im Ladungsverkehr. Vice President Telematics & Digital Solutions Frank Tinschert schilderte beim DVZ-Forum, dass die Fahrzeugproduktion längst kein Alleinstellungsmerkmal des Konzerns sei. Mit der neuen Plattform „Rio“ will der Nutzfahrzeughersteller den Transportablauf optimieren, in dem zum Beispiel Informationen zur Ladungsmenge oder Reparaturaufträge automatisch ausgegeben und entsprechend weitergeleitet werden. Das Ziel bestehe in der Vernetzung aller Teilsegmente.

Cillox ab 2017

Mit der Plattform Cillox will DHL Freight ab Anfang 2017 Frachtführer und Verlader zusammenbringen und für mehr Vertrauen und Transparenz sorgen. Andreas Oesterhelt, Chief Digital Officer sagte in Düsseldorf, dass gesicherte Prozesse wie Zahlungsabwicklung oder Ausschreibungen zwischen Unternehmen, die sich bislang nicht kennen, im Mittelpunkt stehen. Die Kundschaft wird an der Entwicklung von Cillox beteiligt.

Startup will Spediteure vernetzen

Das unabhängige Startup Cargonexx hat es sich zum Ziel gemacht Speditionen besser zu vernetzen, „um Leerkapazitäten zu verringern“, so Geschäftsführer Rolf-Dieter Lafrenz. Gefördert von privaten Investoren fungiert Cargonexx als Bindeglied zwischen Transportunternehmen und Spediteuren. Kern des Angebots ist eine selbstlernende Software. Registriert seien laut Lafrenz derzeit 20 Spediteure und 600 Frachtführer. Das kostenlose Angebot startet im Dezember.

Wer nicht handelt, verliert

Institutsleiter beim Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund Uwe Clausen antwortete auf die Frage, wie Spediteure in der künftigen Transportlogistik ihren Platz finden können, dass diejenigen als Gewinner hervorgehen werden, die Kundenbedürfnisse und „Chancen der Technologie am besten verstehen.“ Wer die Entwicklungen nicht ernst nehme, werde auf der Verliererseite stehen, erklärt Clausen. Eine Gefahr stelle die völlige Abhängigkeit von einigen wenigen Portalen dar. Zu den Chancen zählt der Institutsleiter sinkende Transaktionskosten aufgrund erhöhter Kommunikationseffizienz. Vieles sieht er im Wandel. Während Fahrer zum Transportmanager oder Supervisor avancieren, wird Tracking & Tracing zum „proaktiven Eventmanagement“ dank effizienter Datenübermittlung. Intelligente Paletten, Trailer und automatisierte Systeme könnten es erlauben, dass der Mensch nur noch bei Zwischenfällen eingreifen muss.

Professor am Institut für Angewandte Logistik an der Hochschule Würzburg Christian Kille bestätigt, dass in digitalen Zeiten die Kundenorientierung „stärker in den Vordergrund“ tritt und entscheidend für den Erfolg sei. Neue Plattformen könnten sowohl Speditionen als auch Frachtbörsen das Kerngeschäft streitig machen. Gleichzeitig ließe sich die Digitalisierung zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle einsetzen, womit wiederum eine Anhebung der geringen Margen von 1,9 Prozent beim Komplettladungsverkehr und 1,4 Prozent beim Stückgut erzielt werden könne. Für Kille ist die Digitalisierung ein zentraler Erfolgsfaktor. Doch Logistiker müssten den Mut zu Veränderungen haben. Er rät zum Ausprobieren und Lernen aus gescheiterten Versuchen.

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